Aufgeräumter dunkler Schreibtisch bei Nacht im petrolfarbenen Licht eines Monitors: ein Smartphone mit leuchtendem, unleserlichem Code-Feld, ein kleiner Hardware-Sicherheitsschlüssel am Schlüsselbund und ein aufgeklapptes Notizbuch mit gezeichnetem Vorhängeschloss
Wissenskarte · IT-Sicherheit

Konto-Sicherheit im KI-Zeitalter

Passwortmanager, Zwei-Faktor, Passkeys und Checklisten – für dich persönlich und für Unternehmen.

Über 17 Milliarden E-Mail-Adressen stecken in bekannten Datenlecks – die Frage ist nicht ob, sondern wann die eigene dabei ist. Gleichzeitig macht KI Phishing glaubwürdiger als je zuvor. Hier erkläre ich, wie ich meine Konten abgesichert habe, warum welche Maßnahme zählt, und was Unternehmen daraus für Richtlinien und Schulungen ableiten sollten.

Stand: Oktober 2026 Mit zwei Checklisten zum Abhaken
Teil A

Für dich persönlich

Passwortmanager, Zwei-Faktor-Anmeldung, Passkeys und Wiederherstellung – so erklärt, wie ich meine eigenen Konten eingerichtet habe.

Warum das Thema jetzt drängt

Datenlecks sind kein Ausnahmefall mehr, sondern Normalzustand.

über 1.000gehackte Plattformen listet der Dienst Have I Been Pwned.
über 17 Mrd.E-Mail-Adressen sind dort als betroffen erfasst.
wenige SekundenAudio reichen, um eine Stimme zu klonen.

Datenlecks sind kein Ausnahmefall mehr, sondern Normalzustand. Der Dienst Have I Been Pwned listet über 1.000 gehackte Plattformen und mehr als 17 Milliarden betroffene E-Mail-Adressen. Wer seit 15 Jahren online ist, steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit in mehreren davon.

Gleichzeitig ändert KI die Spielregeln. Phishing-Mails kommen heute fehlerfrei, im richtigen Tonfall und mit echten Details aus geleakten Daten: Name, Geburtsdatum, Adresse, alter Arbeitgeber. Stimmen lassen sich mit wenigen Sekunden Audio klonen. Das alte Erkennungsmerkmal „schlechtes Deutsch“ fällt weg.

Die gute Nachricht: Mit vier, fünf Maßnahmen sind die eigenen Konten so gut geschützt, dass Angreifer sich lohnendere Ziele suchen.

Wie Angriffe heute funktionieren

Vier Wege, über die Konten heute übernommen werden.

Credential-Stuffing

Angreifer nehmen geleakte E-Mail-Passwort-Paare und probieren sie automatisiert bei hunderten anderen Diensten aus. Wer ein Passwort mehrfach nutzt, verliert damit gleich mehrere Konten.

Phishing

Eine täuschend echte Mail oder SMS führt auf eine nachgebaute Login-Seite. Passwort und Einmal-Code landen direkt beim Angreifer.

SIM-Swap

Der Angreifer lässt die eigene Telefonnummer auf eine neue SIM-Karte übertragen. Danach empfängt er alle SMS-Codes.

Kontowiederherstellung

Statt das Passwort zu knacken, wird der „Passwort vergessen“-Weg genutzt – über ein schlecht gesichertes Ersatz-Postfach oder erratbare Sicherheitsfragen.

In fünf Szenen: Warum die Schutzschichten zählen

Was passiert, wenn ein Passwort im Umlauf ist – und welche Schicht den Angriff aufhält.

Animation in fünf Szenen: Datenleck, Credential-Stuffing, Zwei-Faktor-Schicht, Phishing-Falle mit Passkey und gesicherte Hintertür. Die Szenen sind daneben beschrieben.
  1. Das Leck: Ein Datenpaket mit E-Mail und Passwort wandert aus einem gehackten Dienst in eine Angreifer-Liste.

  2. Der Angriff: Die Liste probiert das Passwort automatisiert an vielen Login-Türen aus (Credential-Stuffing). Ohne Schutz springt eine Tür auf.

  3. Die Zwei-Faktor-Schicht: Dieselbe Tür, jetzt mit Authenticator – das Passwort allein prallt ab.

  4. Die Phishing-Falle: Eine nachgebaute Login-Seite fängt Passwort und Code ab. Mit Passkey erkennt der Schlüssel die falsche Adresse und öffnet nicht.

  5. Die Hintertür: Der Angreifer versucht es über das Ersatz-Postfach. Ist es genauso gut gesichert, ist auch dieser Weg zu.

Die Bausteine erklärt

Was hinter den Begriffen steckt – und welches Werkzeug ich selbst nutze.

Grundlage

Passwortmanager

Er erzeugt für jedes Konto ein langes Zufallspasswort und füllt es automatisch aus. Man merkt sich nur noch ein Hauptpasswort. Ich nutze Bitwarden; gute Alternativen sind 1Password, KeePassXC oder der Schlüsselbund von Apple. Wichtiger als die Wahl des Werkzeugs ist, dass man überhaupt eins nutzt.

Zweiter Nachweis

Zwei-Faktor-Anmeldung (2FA)

Neben dem Passwort braucht es einen zweiten Nachweis. Ein geleaktes Passwort allein reicht dann nicht mehr. Wichtig: Die Methoden unterscheiden sich stark in ihrer Sicherheit (Rangfolge unten).

Codes auf dem Gerät

Authenticator-App

Sie erzeugt alle 30 Sekunden einen neuen sechsstelligen Code, direkt auf dem Gerät, ohne Mobilfunknetz. Damit ist sie gegen SIM-Swap immun.

Nachfolger des Passworts

Passkeys

Der Nachfolger des Passworts. Statt eines Geheimnisses, das man eintippt, prüft das Gerät per Fingerabdruck, Gesicht oder PIN, und ein kryptografischer Schlüssel meldet sich an. Ein Passkey ist fest an die echte Website gebunden – auf einer Phishing-Seite funktioniert er schlicht nicht. Passkeys lassen sich im Passwortmanager speichern und so geräteübergreifend nutzen.

Für den Notfall

Backup-Codes

Einmal-Codes für den Notfall, wenn das Handy verloren geht. Sie gehören an einen sicheren Ort, etwa als Notiz in den Passwortmanager – nicht als Foto in die Galerie.

Generalschlüssel

Wiederherstellungs-Adresse und -Nummer

Darüber setzt man ein Konto zurück. Genau deshalb ist sie ein Generalschlüssel: Wer das Ersatz-Postfach kontrolliert, kontrolliert auch das Hauptkonto.

Auslaufmodell

Sicherheitsfragen

Ein Auslaufmodell. Antworten wie Geburtsort oder Name des ersten Haustiers stehen oft in Leaks oder sozialen Netzwerken. Selbst die US-Standardbehörde NIST rät inzwischen davon ab. Wo ein Dienst sie noch verlangt: Zufallswörter als Antwort wählen und im Passwortmanager speichern.

Eine Hand hält ein Smartphone, im unscharfen Hintergrund ist eine Authenticator-App zu erahnen – KI-generiertes Bild

Die Rangfolge: Wie sicher ist welche Anmeldung?

Fünf Stufen – je höher, desto mehr Angriffe laufen ins Leere.

Stilisierte, leuchtende Treppe mit fünf Stufen, die nach oben heller wird; auf den Stufen Symbole für offenes Schloss, Sprechblase, Glocke, Uhr mit Markierungen und Codepunkten sowie Schlüssel mit Fingerabdruck, ganz oben ein sanftes türkisfarbenes Leuchten
  1. Rang 1: Passkey / Hardware-Schlüssel
    • Geleaktes Passwort: Ja
    • Phishing: Ja
    • SIM-Swap: Ja
  2. Rang 2: Authenticator-App (Codes)
    • Geleaktes Passwort: Ja
    • Phishing: Nein
    • SIM-Swap: Ja
  3. Rang 3: Push-Bestätigung aufs Handy
    • Geleaktes Passwort: Ja
    • Phishing: Teilweise
    • SIM-Swap: Ja
  4. Rang 4: SMS-Code
    • Geleaktes Passwort: Ja
    • Phishing: Nein
    • SIM-Swap: Nein
  5. Rang 5: Nur Passwort
    • Geleaktes Passwort: Nein
    • Phishing: Nein
    • SIM-Swap: entfällt
Faustregel: Jede Stufe ab Rang 4 ist ein großer Fortschritt gegenüber reinem Passwort. Ziel ist Rang 1 oder 2; SMS bleibt höchstens als Rückfall.

Die unterschätzten Fallen

Wo eingerichteter Schutz trotzdem eine Lücke lässt.

Eingerichtet heißt nicht eingeschaltet.

Bei manchen Diensten kann man alle 2FA-Methoden hinterlegen, ohne dass die Zwei-Faktor-Anmeldung aktiv ist. Ich habe genau das bei mir selbst gefunden. Prüfen: Steht dort „Ein“?

Der Generalschlüssel ist schwächer als das Hauptkonto.

Ein Konto mit Passkey nützt wenig, wenn das Wiederherstellungs-Postfach nur ein altes Passwort hat.

Zwei Konten sichern sich gegenseitig ab.

Ist Postfach A die Rettung für B und B die Rettung für A, fällt mit einem beide. Besser eine dritte, gut geschützte Adresse.

Vergessene Zugänge.

Verknüpfte Apps, alte App-Passwörter für Mailprogramme, Geräte, die man längst verkauft hat. Alles, was man nicht mehr nutzt, entfernen.

Altes Passwort, neuer Ärger.

Ein Passwort muss nicht regelmäßig geändert werden – aber sofort, wenn es in einem Leck auftaucht oder irgendwo zweitverwendet wird.

Checkliste: Deine Konten in einer Stunde absichern

Zum Abhaken – Schritt für Schritt.

Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: zuerst die Postfächer, weil man über sie alles andere zurücksetzen kann, dann alles mit Geld, dann der Rest.

Claus Günnewig am Schreibtisch, der Monitor ist von der Seite zu sehen, sodass nichts lesbar ist – KI-generiertes Bild

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Schritt 1 – Lage prüfen

Schritt 2 – Fundament legen

Schritt 3 – Postfächer sichern Die wichtigsten Konten

Schritt 4 – Geld und Einkauf

Schritt 5 – Aufräumen

Schritt 6 – Dranbleiben

Teil B

Für Unternehmen

Was für ein privates Konto gilt, gilt im Unternehmen hundertfach: Ein einziges übernommenes Konto kann Zugang zu Kundendaten, Finanzen und Systemen öffnen. Die Technik ist dieselbe, entscheidend sind Regeln, Rollen und Gewohnheiten.

Stilisierte, isometrische Büroszene von oben: feine, leuchtende Linien führen von mehreren Arbeitsplätzen zu einem zentralen Schild; ein Arbeitsplatz ist mit einem kräftigeren Schloss als Admin-Konto hervorgehoben, im Hintergrund ein Schulungs-Whiteboard mit gezeichnetem Angelhaken

Passwortrichtlinien nach aktuellem Stand

Länge statt Komplexität – und kein Wechsel nach Kalender.

Viele Firmen arbeiten noch mit Regeln aus den 2000ern: acht Zeichen, Sonderzeichen-Pflicht, Wechsel alle 90 Tage. Die Forschung zeigt, dass genau das schwächere Passwörter erzeugt – aus „Sommer2025!“ wird „Herbst2025!“. Die US-Standardbehörde NIST hat ihre Richtlinie SP 800-63B im August 2025 überarbeitet (Quelle); auch das BSI verzichtet seit Jahren auf den Zwangswechsel.

Die heutige Linie

  • Länge statt Komplexität: mindestens 15 Zeichen, wenn das Passwort allein schützt; lange Passphrasen ausdrücklich erlauben (mindestens 64 Zeichen).
  • Keine Zeichenregeln: keine Pflicht zu Großbuchstabe, Zahl, Sonderzeichen.
  • Kein Wechsel nach Kalender: Passwörter nur ändern, wenn es einen Hinweis auf Kompromittierung gibt.
  • Abgleich mit Leaklisten: neue Passwörter gegen bekannte und geleakte Passwörter prüfen und ablehnen.
  • Passwortmanager erlauben und bereitstellen: einen Firmen-Passwortmanager mit geteilten Tresoren für Teams statt Excel-Listen und Haftnotizen.
  • Keine Sicherheitsfragen, keine Passwort-Hinweise.
  • Wo möglich: Passkeys oder zentrale Anmeldung (SSO) mit verpflichtender Zwei-Faktor-Anmeldung.

Admin-Konten

Admin-Zugänge sind das bevorzugte Ziel, weil ein einziger Treffer das ganze Haus öffnet.

  • Trennen: Jede Administratorin hat ein normales Konto für Mail und Alltag und ein separates Admin-Konto nur für Verwaltung.
  • Stärkster Faktor: Admin-Konten ausschließlich mit Passkey oder Hardware-Schlüssel, kein SMS.
  • So wenig wie möglich: Rechte nur so weit und so lange wie nötig vergeben; regelmäßig prüfen, wer was darf.
  • Notfallzugang: ein dokumentiertes „Break-Glass“-Konto, versiegelt aufbewahrt, für den Fall, dass alle anderen Zugänge ausfallen.
  • Ein- und Austritte: Beim Ausscheiden werden Zugänge am letzten Tag gesperrt, nicht Wochen später.
  • Protokolle: Admin-Anmeldungen protokollieren und auffällige Muster melden lassen.

Mitarbeiterschulung

Die beste Technik scheitert an einem Klick. Schulung wirkt aber nur, wenn sie regelmäßig und realistisch ist.

  • Kurz und wiederkehrend: zehn Minuten im Quartal statt eine Pflichtstunde im Jahr.
  • Realistische Beispiele: KI-generierte Phishing-Mails zeigen, die fehlerfrei und persönlich klingen; dazu Anrufe mit geklonter Chef-Stimme („CEO-Fraud“).
  • Klare Meldewege: ein Knopf oder eine Adresse für „Das kommt mir komisch vor“.
  • Kultur „Melden statt Verschweigen“: Wer auf einen Link geklickt hat und es sofort meldet, wird gelobt, nicht bestraft. Minuten zählen.
  • Rückruf-Regel: Zahlungsanweisungen und Kontoänderungen immer über einen bekannten zweiten Kanal bestätigen.

KI sicher nutzen

KI-Werkzeuge sind ein neuer Kanal, über den Daten das Haus verlassen.

  • Keine Zugangsdaten, keine Kundendaten in öffentliche Chatbots.
  • Freigegebene Werkzeuge benennen: eine kurze Liste, welche KI-Dienste mit welchen Daten genutzt werden dürfen. Das verhindert „Schatten-KI“ auf privaten Konten.
  • KI-Konten wie jedes andere Konto schützen: Firmenkonto, Zwei-Faktor, Zugriff beim Austritt entziehen.
  • Verbindung zum EU AI Act: Die Pflicht zur KI-Kompetenz der Beschäftigten lässt sich gut mit der Sicherheitsschulung verbinden (siehe Karte „EU AI Act & DSGVO“).

Checkliste: Zehn Fragen, die jede Geschäftsführung klären sollte

Wer alle zehn mit Ja beantworten kann, ist besser aufgestellt als die meisten kleinen und mittleren Unternehmen.

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Ich begleite Unternehmen bei der Einführung solcher Regeln und bei Schulungen.

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Quellen & Stand

Stand: Oktober 2026

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